Das Potenzieren homöopathischer Arzneien

 

Unter Potenzierung versteht man das schrittweise Verdünnen und Verschütteln oder verreiben einer Substanz. Hahnemann entwickelte ein eigenes  Verfahren zur Herstellung von Arzneimitteln und führte dieses nach jahrelangen Experimenten in die Homöopathie ein. Die genaue Beschreibung der Zubereitung kann man in seinem Organon der Heilkunst,

§§ 270 ff, nachlesen.
Die Arzneien werden stufenweise verdünnt und zwischen jedem Verdünnungsschritt verrieben bzw. verschüttelt.
Im Gegensatz zu dem weit verbreiteten Irrtum, es handle sich lediglich um eine Verdünnung, kommt der Verreibung bzw. dem Verschütteln eine große Bedeutung zu. Erst dadurch, zusammen mit der Verdünnung, wird die Arzneikraft in vollem Maße erschlossen - selbst bei Metallen wurden so bis dahin unbekannte Arzneiwirkungen entdeckt.
Dieses Verfahren nennt man Potenzierung, abgeleitet von dem lateinischen "Potenz" (Kraft, Fähigkeit, Leistungsvermögen). Die Verdünnung erfolgt mit den arzneilich neutralen Substanzen Alkohol oder Milchzucker. Bei der ersten Verdünnungsstufe (z. B. im Verhältnis 1:100) wird 1 Teil des Arzneistoffs mit 100 Teilen Milchzucker oder Alkohol verschüttelt bzw. verrieben, das Ergebnis ist die C1. Dann wird im selben Verhältnis weiter verdünnt, d. h. 1 Teil dieser C1 wird mit 100 Teilen Milchzucker bzw. Alkohol verrieben bzw. verschüttelt, so bekommt man die C2.

Schon bei der C3 ist nur noch ein Millionstel der Ausgangssubstanz enthalten. Jenseits der statistischen Nachweisgrenze (Gesetz von Avogadro), also ca. ab der C12, ist keine Materie mehr in den Arzneien enthalten (dazu mehr weiter unten im Text). Hahnemann bezeichnete so hergestellte Arzneien deshalb auch als "geistartig" oder "dynamisch" (modern ausgedrückt energetisch), die Potenzierung wurde auch "Dynamisation" genannt.

Es gibt in der klassischen Homöopathie drei verschiedene Verfahren zur Potenzierung mit je unterschiedlichen Verdünnungsschritten:

 

 D (Dezimal) - Potenzen:

 Verdünnung

 1:10

 C (Centisimal) - Potenzen:

 Verdünnung

 1:100

 Q oder LM

 Verdünnung

 1:50.000

 

Hahnemann hatte anfangs das  Problem, dass bei der homöopathischen Anwendung von Arzneien vor einer Heilung oft unangenehme Reaktionen auftraten, insbesondere bei Stoffen, die sehr giftig sind wie z. B. die Tollkirsche Atropa belladonna. Er trat dem zunächst damit entgegen, dass er die Arzneien verdünnte, wobei sie jedoch immer mehr an Wirksamkeit verloren. Um dieses Problem zu lösen, experimentierte er so lange, bis er die Potenzierung entdeckte. Hahnemann konnte beobachten, dass die Arzneien auf solche Weise zubereitet keine so starken Reaktionen hervorriefen und zudem eine ungleich höhere Wirksamkeit entfalteten als in roher Form. Er machte die Erfahrung, dass selbst Stoffe, die normalerweise keine große Arzneikraft besitzen, zu arzneilich hochwirksamen Mitteln wurden - wie z. B. das Kochsalz, verschiedene Metalle, Graphit, Kalk